Sitzende Figur mit verschränkten Fingern
Datierung
1933
Beschreibung
Kaum achtzehn geworden, brach Meret Oppenheim 1932 nach Paris auf, wo sie sich im Kreis der Surrealisten um André Breton bewegte. Die «Sitzende Figur mit verschränkten Fingern» entstand Anfang 1933 – als «erstes Oelbild […] mit den Fingern auf Karton gemalt», wie die Künstlerin rückblickend festhielt – kurz bevor sie mit Man Rays fotografischer Folge «Érotique voilée» und der legendären Pelztasse «Le Déjeuner en fourrure» den Grundstein zu ihrem Mythos legen sollte. Eine schwarze Konturlinie umfängt die abstrahierte Gestalt: Der Oberkörper ist zu einer dunkelblauen Dreiecksform komprimiert, bekrönt von einem ellipsenförmigen Kopf ohne jede individuelle Mimik. Alter, Geschlecht und Identität blieben ausgespart. Diese insistente Verweigerung aller Identifizierbarkeit lässt sich als Ausdruck von Oppenheims Überzeugung lesen, dass Kreativität sowohl männliche wie weibliche Anteile umfasst – eine Idee, zu der sie über die Beschäftigung mit Carl Gustav Jung gelangt war. Dass es sich um weit mehr als ein malerisches Experimentierstück handelt, belegt die Tatsache, dass das Werk bis zu Oppenheims Tod in ihrem Besitz blieb. Als Teil eines Legats an das Kunstmuseum Bern gelangte es 1987 in die Sammlung.
Originalbeitrag von Heike Eipeldauer in: Matthias Frehner, Valentina Locatelli (Hg.), Kunstmuseum Bern. Meisterwerke, Hirmer Verlag: München, 2016, S. 292.
Technik
Ölfarbe auf Papier auf Karton, Originalrahmen Öl auf Holz, Passepartout [textilbespannt]
Masse
32,5 × 26 cm (Bildmass)
Creditline
Kunstmuseum Bern, Legat Meret Oppenheim
Status
nicht ausgestellt
