Unter der Regenwolke
Datierung
1961 – 1964
Beschreibung
Meret Oppenheim wird 1913 in Berlin geboren und wächst in Steinen und Delémont auf, bevor sie 1932 nach Paris zieht und Anschluss an die Surrealisten um André Breton findet. Nach einer Schaffenskrise kehrt sie 1937 in die Schweiz zurück, ab den 1950er Jahren beginnt eine neue, produktive Phase ihres Werks. In den 1960er Jahren greift Oppenheim wiederholt das Motiv der Wolke auf, das sie zu scharf konturierten, spitz zulaufenden Formen verdichtet. «Unter der Regenwolke» zeigt im oberen Bildteil eine solche zerklüftete, grau in grau gemalte Wolkenmasse, unterteilt durch feine, rahmenartige Linien, die an einzelne Bildfelder oder Fenster erinnern. Darunter erhebt sich eine helle, organisch geschwungene Form, die an gestreckte Beine, Hörner oder Wurzeln erinnert und die Wolke gleichsam trägt, mit ihr «erdet». Die Gegenüberstellung von hart und weich, spitz und rund, schwebend und schwer, die für Oppenheims Werk dieser Jahre charakteristisch ist, prägt auch dieses Bild. Die zackige, unruhige Wolke im oberen Bereich steht der ruhigen, geschlossenen Form darunter gegenüber, die zugleich stabil verankert und beinahe schwerelos vom Untergrund abgehoben wirkt. So entsteht eine Spannung zwischen Flüchtigem und Beständigem, zwischen dem sich ständig wandelnden Himmel und der festen, tragenden Gestalt darunter.
Originalbeitrag von Katharina Nyffenegger in: Therese Bhattacharya-Stettler, Matthias Frehner (Hg.), Meret Oppenheim – Retrospektive. «mit ganz enorm wenig viel», Hatje Cantz Verlag: Ostfildern, 2006, S. 226.
Technik
Öl und Gouache auf Gips [Rugosit] auf Holz, verstärkt mit Hartaserplatte [Pavatex] und Texil [Leinen], Originalrahmen, Öl auf Holz [Fichte]
Masse
101 × 73 cm (Bildmass)
Creditline
Hermann und Margrit Rupf-Stiftung, Kunstmuseum Bern
Status
nicht ausgestellt
