Gesicht in Wolke

Datierung
1971
Beschreibung
Eine bauchige, graue Form füllt das Bild, weich, organisch und unbestimmt. Auf den ersten Blick: eine Wolke. Doch in ihrer Mitte sitzt ein ovaler Schmuckrahmen, und darin ein Gesicht mit scharfen, klar gezeichneten Zügen. Das Vertraute und das Fremde stossen aufeinander. Meret Oppenheim arbeitete in den 1960er und 1970er Jahren immer wieder mit dem Wolkenmotiv. Die Wolke, formlos, flüchtig, nie festzuhalten, faszinierte sie als Sinnbild des Wandels. In diesem Relief von 1971 kehrt sie genau diese Eigenschaft um: Die Wolke wird zum festen plastischen Körper, zur greifbaren Skulptur. Was seinem Wesen nach unkörperlich ist, bekommt Gewicht und Kontur. Diese Spannung zwischen Gegensätzen ist kein Zufall, sondern Methode. Oppenheim stellte in vielen ihrer Werke Materialien und Vorstellungen einander gegenüber, die eigentlich nicht zusammengehören, und erzeugte daraus einen produktiven Widerspruch. Das Medaillon mit seinem eleganten, scharfkantigen Gesicht verstärkt diesen Effekt: Nichts könnte der nebulösen Wolke fremder sein als ein gefasstes Porträt. Der Titel «Gesicht in den Wolken» verbindet beides und macht das Disparate lesbar, ohne es aufzulösen. Originalbeitrag von Kathleen Bühler in: Kunstmuseum Bern (Hg.), Merets Funken. Die Sammlung Gegenwartskunst 2, Kerber Verlag: Bielefeld, 2013, S. 196.
Technik
Gips [Rugosit] in ovalem Holzrahmen, verziert, auf Hohlform aus Gips [Rugosit] mit Texil und Fasern, bemalt mit Öl und Aquarell
Masse
H 39 cm, B 39 cm, T 13 cm (Werkmass)
Creditline
Hermann und Margrit Rupf-Stiftung, Kunstmuseum Bern
Status
ausgestellt